Text: Monika Rademacher
Fotos: Oliver Mengedoht
Wissenschaftlicher Name: Uca forcipata
Trivialnamen: Mini-Regenbogenlandkrabbe
Systematik: Domäne Eucaryota (Eukaryoten), Reich: Animalia (Tiere), Unterreich Metazoa (Vielzeller), Abteilung Eumetazoa (Gewebetiere), Unterabteilung Bilateria, Stammgruppe Protostomia (Urmünder), Überstamm Ecdysozoa (Häutungstiere), Stamm Arthropoda (Gliederfüßer), Unterstamm Crustacea (Krebstiere), Klasse Malacostraca (Höhere Krebse), Überordnung Eucarida, Ordnung Decapoda (Zehnfußkrebse), Unterordnung Pleocyemata, Infraordnung Reptantia, Teilordnung Brachyura (Echte Krabben), Überfamilie Ocypodoidea, Familie Ocypodidae, Unterfamilie Ocypodinae, Art Uca forticipata
Herkunft/Verbreitung: Südost-Asien; Südchinesisches Meer bis Thailand, Malysia, Westindonesien.
Aussehen: Panzer schwarz bis anthrazit mit auffälliger weißer Musterung auf dem Carapax, manchmal mit leuchtend blauem Farbstich und klar umgrenzen blauen Farbfeldern lateral; Beine komplett schwarz bis schwarz mit blauen Partien Sehr langstielige Augen, bei denen intensiv rote oder tiefschwarze Augen auf meist eher unscheinbar gefärbten Augenstielen sitzen.
Die Scheren wirken im Vergleich zum restlichen Körper sehr zierlich, Die Spitzen der Scherenfinger (Dactylus und Index) sind löffel- paddelförmig abgerundet.
Geschlechtsunterschiede: krabbentypisch,
Männchen haben eine schmale, spitz auslaufende Bauchtasche. Auffällig bei den Männchen dieser Winkerkrabbenart ist die übergroße dominante Schere, die bis zu 75% der Gesamtkörpergröße ausmachen kann und meist prägnant gefärbt ist.
Bilder männlicher Tiere findet ihr auf:
www.fiddlercrab.info/u_forcipata.html
Weibchen haben eine breite, rundliche Bauchtasche, die die komplette Sternalplatte bedeckt und gleichgroße Scheren.
Größe: Wir hatten hier Tiere mit maximal 2cm Carapax-Querdurchmesser, jedoch wurde uns von einem Tier berichtet, dass rund 6 cm erreicht haben soll. Wir konnten bisher leider nicht verifizieren, ob diese Größenangabe den Tatsachen entspricht.
Alterserwartung: unklar
Haltungstemperatur: 20 bis 27°C
Beckengröße/Besatz: Kleine Gruppe im Schlamm -Terrarium mit sehr flachem Brackwasserteil ab 40x25x25cm jedoch scheint uns eine Haltung in einer größeren Gruppe in entsprechend größerem Haltungsbecken sinnvoll, da es sich hier um Kolonietiere handelt, die sehr ausgeprägte Gruppenstrukturen entwickeln. Inwieweit sich mehrere Männchen in einer solchen Gruppe dulden, können wir bisher noch nicht beurteilen, da wir seinerzeit ausschließlich Weibchen hatten.
Bekannt ist von den Winkerkrabben jedoch, dass die Männchen innerhalb der Kolonien zwar ihre Bauten gegen andere Männchen der Kolonie verteidigen, jedoch andersherum auch gemeinschaftlich Bauten von Männchen aus der eigenen Kolonie gegen Eindringlinge von außen verteidigen, insofern scheint die Annahme naheliegend, das sich ihr Revierverhalten vorrangig auf den Bereich des eigenen Baus bezieht und sich bei entsprechender Möglichkeit zum Bau mehrerer Gänge/bauten durchaus auch mehrere Männchen in einem Terrarium dulden würden.
Beckeneinrichtung: Terrarium mit sehr flacher Brackwasserzone (Wasserstandshöhe ca 2,5-3 cm) in der sich mehrere Aufsitzmöglichkeiten befinden sollten. Im Wasser sollte Sand den Bodengrund bilden, in der Landzone scheint ein komplett durchfeuchtetes Erde-Sand-Gemisch geeignet, Land- und Wasserzone sollten nahtlos ineinander übergehen, so dass das Terrarium quasi ein Matschbecken mit etwas tieferer Wasserecke bildet.
[img]www.panzerwelten.de/d/31571-2/DSC_7504.jpg[/img]
Eine Bepflanzung gestaltet sich schwierig, aufgrund des Salzgehaltes im Wasser und im Landsubstrat, jedoch kann man auf Korkröhren und ähnlichem kleine Waldmoosplatten legen, und sie zwischenzeitlich austauschen, wenn sie sehr unansehlich werden.
Was sich bei uns trotz des Salzgehaltes im Matsch geraume Weile hielt war eine eingesetzte Dracea, jedoch bemerkte man auch an ihr nach und nach, dass ihr diese Umgebung zu schaffen machte.
Korkrinden und -röhren sowie größere Schneckenhäuser und Lochsteine eignen sich an Land gut zur Erstellung adäquater Verstecke.
Futter:
Als erstes hier ein
wichtiger Hinweis bezüglich Lebensmitteln, die auf keinen Fall verfüttert werden dürfen:
Lebensmittel, die Oxalsäure enthalten dürfen keinesfalls roh verfüttert werden, da die löslichen Salze der Oxalsäure toxisch wirken. und einige dürfen überhaupt nicht verfüttert werden,
Petersilie mit bis zu 185 mg/100 g Frischgewicht zählt zu denen, die überhaupt nicht verfüttert werden dürfen, ebenso sollte man Sauerklee und Sauerampfer nicht verfüttern
Mangold und Spinat weisen zwar auch einen hohen Oxalsäuregehalt auf und dürfen nicht roh verfüttert werden, man kann ihn jedoch blanchieren und dann anbieten, da durch Erhitzen der größte Teil der Oxalsäure zerfällt.
Ebenfalls sollten keine Nahrungsmittel verfüttert werden, die in erhöhtem Maße Blausäure enthalten, dazu zählen Bohnen, Maniok, rohe Bambussprossen, unreif Holunderbeeren sowie diverse Obstkerne ( Kirsche, Aprikose etc)
Auch von der Verfütterung von Zitrusfrüchten und Früchten mit hohem Fruchtsäuregehalt sollte man absehen ebenso wie von Lebensmitteln, die Kupfer enthalten.
In erster Linie durchforsten diese Krabben den Bodengrund ihrer Umgebung auf Feinst-Futterpartikel. Wir konnten jedoch beobachten, dass sie auch manchmal Frostfutter und eingeweichtes Trockenfutter annahmen. Zur Fütterung bieten sich also gemahlenes Flockenfutter, Spirulinapulver zermahlene Futtertabs, eingeweichtes Trockenfutter und kleines Frostfutter an (rotes Plankton, zerkleinerte weiße Mückenlarven, Cyclops).
Kalkhaltiges: gemahlene Sepiaschale oder Calcium-Pulver sollten in kleinen Mengen ab und an angeboten werden
Verhalten:
Die Weibchen dieser Krabbenart sind absolut friedlich untereinander und bevorzugen die Nähe anderer Tiere auf engem Raum. In ihrem Ursprungshabitat leben sie in großen Kolonien und verfügen über differenzierte und umfangreiche Kommunikationsfähigeiten.
Die gattungsumfassende deutsche Bezeichung "
Winkerkrabben" bekamen die Krabben der Gattung Uca aufgrund der winkenden Bewegungen, die die Tiere zur Kommunikation nutzen. Besonders auffällig ist dies bei den männlichen Tieren, da sie ihre übergroße Schere für diese Form der Kommunikation einsetzen, jedoch sind auch bei den Weibchen winkende Bewegungen zu beobachten, die bedingt durch die geringe Scherengröße nur nicht so sehr ins Auge stechen. Im Englischen werden diese Krabben "
Fiddler crabs" genannt, da die beschriebenen Bewegungsabläufe auch an das Geige-Spielen erinnern.
Bekannt ist, dass die Krabben verschiedenste Rhythmen und Arten des Winkens nutzen um so jeweils fest definierte Signale zu setzen. Auch bekannt ist, dass jede Kolonie ihre sehr individuelle Art des "Winkens" entwickelt, so dass selbst bei einer Vermischung mehrere Kolonien die Tiere der jeweiligen Kolonie genau zuordnen können, welche Tiere ihrer Kolonie angehören und mit ihnen kommunizieren können.
Immer wieder ließ sich bei den von uns gepflegten Tieren beobachten, dass sie gewohnt waren als Gruppe zu agieren, so suchten diese Krabben in der Regel zu festen Tageszeiten in der geschlossenen Gruppe die Wasserzone auf und verließen sie auch geschlossen wieder.
Größtenteils hielten sich die Krabben an Land auf, wo man sie oftmals regelrecht gestapelt vorfinden konnte. Kämpfe oder anderes aggressives Verhalten untereinandern konnten wir trotz der Enge, die dadurch gegeben war nie beobachten. Bis zu zwölf Tiere haben wir zwischenzeitlich in einem Versteck gedrängt entdecken können, wobei dies schon eine sehr massive Anhäufung darstellte, meistens sah es eher so aus :
Nach der Eingewöhnungszeit in ihr Terrarium begannen die Krabben den Boden mit Gang- und Höhlensystemen zu durchziehen, ein einsturzsicheres Substrat ist für sie zwingend notwendig.
Vermehrung: Die Vermehrung erfolgt als primitiver Fortpflanzungstyp; die Larven benötigen Brackwasser zur Entwicklung, jedoch ist uns bisher nicht bekannt, welche Salinität notwendig ist.
Vergesellschaftungsmöglichkeit: Aufgrund des sehr geringen Wasservolumens im Haltungsbecken bieten sich keine wirklichzen Vergesellschaftungsmöglichkeiten. Eventuell kann man in der Wasserzone einige wenige kleine Turmdeckelschnecken einsetzen, da diese sich bis zu einer Salinität von 25g/L Salzwasser-tolerant zeigen.
Bemerkungen:
Wir übernahmen seinerzeit eine Gruppe von 32 weiblichen Uca forcipata von einem Händler, dem die Tiere in Massen wegstarben. Mit dafür verantwortlich war sicherlich die Tatsache, dass er sie in einem Schildkröten Aquaterrarium unterbrachte, dass zum einen mit Süßwasser befüllt war, zum anderen keine wirklich brauchbare Möglichkeit bot, über die die Tiere die Landzone hätten erreichen können. Tatsächlich sind viele dieser Krabben dort schlichtweg ertrunken. Beobachtet man Uca-Arten in ihren natürlichen Habitaten, so stellt man fest, dass diese Tiere Strandzonen bevölkern und nur zu Ebbezeiten aus ihren Höhlensystemen kommen. Diese Ebbezeiten nutzen sie, um den nun trockenliegenden Strandbereich nach Nahrungspartikeln zu durchkauen, setzt die Flut wieder ein, so ziehen die Tiere sich schnell in ihre Höhlen zurück und deckeln sich dort regelrecht ein, so dass dass Wasser nicht eindringen kann.
Als wir die Gruppe übernahmen setzen wir sie zunächst in ein Aquarium mit großen Steinaufbauten, so dass sie sich problemlos dauerhaft oberhalb der Wasseroberfläche aufhalten konnten. Zu diesem Zeitpunkt wußten wir im Grunde noch gar nichts über die forcipata und uns schien es erstmal einen adäquate Lösung zu sein, da nun keine Tiere mehr ertrinken konnten.
Wir wurden eines Besseren belehrt, nachdem wir immer wieder beobachten mussten, dass Krabben das Wasser aufsuchten, dort auch sehr agil rumliefen und dann plötzlich mitten in der Bewegung zu erstarren schienen. Wir konnten sie nur noch tot herausfischen.
Augenscheinlich wußten die Tiere einfach nicht, das sie ertrinken können und Wasser insofern eine große Gefahr für sie darstellt .... und wir wußten leider nicht, dass die Tiere insofern nicht wußten, wann sie das Wasser verlassen müssen um nicht zu ertrinken. Aber wir begannen langsam die Zusammenhänge zu ahnen, also setzen wir die Tiere erstmal in ein Becken mit viel Land und einer kleinen Sitzpfütze die wir mit Brackwasser befüllten, da wir mittlerweile herausfanden, dass diese Tiere auch nicht kurzzeitig Süßwasser ausgesetzt werden dürfen, für sie ist Brackwasser lebensnotwendig.
Leider überlebte keine diese Krabben länger als einige Monate. Ursache hierfür war vermutlich, dass sie zu all den ungünstigen Ausgangabedingungen auch noch mit einer schleichenden Vergiftung zu kämpfen hatten, die durch falsche Transportbedingungen während des Imports verursacht wurde.
Nach umfangreicher Recherche und dem Austausch mit Menschen, zu denen wir Kontakt knüpften, kristallisierten sich die Erkenntnisse heraus, die wir heute hier weitergeben wollen, jedoch ist dieser vorläufige Artenbrief natürlich noch unvollständig und wird entsprechend vervollständigt, sobald wir mehr über diese schönen Krabben herausfinden können.