Am Samstag fand ja das 3. PANZERWELTEN-Grillen in unserem Garten statt, und wer da nicht gekommen ist, der hat echt etwas verpasst. Einige mussten leider gesundheitsbedingt absagen – hier wünschen wir schnelle Besserung und Wiedersehen spätestens im nächsten Jahr –, alle anderen sollten sich die Bilder anschauen und überlegen, ob sie nicht beim nächsten Mal auch dabei sein wollen. Hier geht es zu den Fotos!
Neue Familien und Gattungen
Zdravko Stevcic hat eine “Addition to the Reclassification of Brachyuran Crabs Part I. New Taxa” veröffentlicht, in der er einige neue Familien, Unterfamilien, Stämme und Gattungen etabliert. In seinem großen Werk von 2005 hatte Stevcic alle bekannten noch lebende und ausgestorbene Krabben auf Über-Gattungslevel beschrieben. Auch Änderungen durch einige wichtige neue Papiere wie die “Systema Brachyurorum” von Ng et al. (2008) sollten in seine Monographie eingearbeitet werden. Einige neue Taxa erwarteten jedoch noch eine (schriftliche) Veröffentlichung, wofür zumindest eine kurze Beschreibung nötig ist. Die Mehrheit der neuen Gattungen hat Stevcic nach bekannten Carcinologen benannt.
So beschreibt Stevcic in Kürze die neuen Familien Brankocleistostomidae, Caecopilumnidae, Garthopilumnidae, Haemocinidae, Lazarocleistostomidae, Lovaracarcinidae und Neommatocarcinidae, 3 neue Unterfamilien und 18 neue Stämme (Tribus) sowie die neuen Gattungen Aldrovandiopanope, Aristotelopanope, Balssopilumnus, Bossacarcinus, Bottoxanthodes, Brankocleistotoma, Camilohelleria, Daipilumnus, Garthopilumnus, Gordonoxanthus, Krunorhombila, Lamarckopilumnnus, Lazarocleistostoma, Lipkemedaeus, Michaelia, Otmaroxanthus, Pestoxanthodes, Scopolius, Veles, Vojmirophthalmus, Wardoxanthops und Williamstimpsonia. Zudem hat er festgstellt, dass der Name Alcockia bereits von einer Fischgattung besetzt ist, daher wurde dieser Name in Abstimmung mit Prof. Peter Ng in Alfredalcockia geändert.
Kölner Neuheiten
Samstag haben wir einen Besuch in Ollies Heimat auch genutzt, um Mirco von Mr. Krabs zu besuchen. Dort fanden wir neben den neuen Ptyhchognathus hachijyoensis mit ihren Püscheln an den Scheren auch einige alte Bekannte wieder: Parathelphusa ferruginea, sowohl die hier bekannte Färbung als auch eine Variante mit “Söckchen”, Syntripsa matannensis und ihre Schwesternart Syntripsa flavichela mit dem rotgepunkteten Carapax. Beide Syntripsa-Arten sind ausgesprochene Schneckenfresser und weisen sogenannten backenzahnförmige Erhebungen auf ihren Scheren auf, die zum Knacken der Kalkgehäuse dienen. Bei den Jungtieren sind diese Molariformen noch sehr flach, aber schon deutlich zu sehen.
Extra-Service: Falls jemand an Tieren aus Mircos Laden interessiert ist, kann er sich welche von Kerstin am Samstag zu unserem 3. PANZERWELTEN-Grillen mitbringen lassen.
Nachwuchs 4: Pseudosesarma bocourti
Zu guter letzt: Wir haben die Mangrovenkrabbe Pseudosesarma bocourti erfolgreich nachgezogen!
Die dritte erfolgreiche Nachzucht von Mangrovenkrabben nach Pseudosesarma moeschi (2007) und Perisesarma sp. (2009). Immer in Hauruck-Aktionen, wenn wir mal so überlegen. Mehr im Forum!
Nachwuchs 3: Acanthopotamon panningi
Hoffnung gibt es auch in diesem Fall: Zum zweiten Mal ist unsere Acanthopotamon panningi – die Tiere stammen aus dem Himalaya und wurden uns von Ruinemans aus Holland zur Verfügung gestellt – trächtig. Beim ersten Mal hat sie die Eier leider abgeschmissen, hoffentlich handelt es sich jetzt um befruchtete Eier, die ausgetragen werden.
Nachwuchs 2: Geosesarma penangense
Fertigen Nachwuchs, also kleine Babykrabben, haben wir diese Woche bei unseren Geosesarma penangense entdecken können. Die Gruppe, die wir von Michael Nadal erhalten und zunächst als G. penangense identifiziert haben (100%ig sicher sind wir uns noch nicht), hält sich gut, hat viele Gänge gegraben und ist sowohl dort als auch immer wieder in
dem kleinen Wasserteil anzutreffen, sowohl Männchen als auch Weibchen. Ein Weibchen hat zuletzt recht lila Scheren entwickelt. 18 Jungtiere haben wir bisher isoliert: Mehr dazu auch im Forum!
Nachwuchs 1: Geosesarma cf. notophorum
Im zweiten Anlauf könnte es klappen: Eine 1,2-Gruppe haben dieser Art, die an die “Mandarinkrabbe” Geosesarma notophorum erinnert (daher cf. notophorum, für confer = lat. vergleiche), aber weiße (bis orange, je nach Stimmung/Färbung) Scherenarme aufweist, haben wir von Zoodi in Bochum erworben. Das Männchen starb jedoch
recht schnell, Wildfänge sind eben leider nicht immer stabil. Wir haben von Andre nochmal ein Männchen bekommen und nun freuen wir uns über ein trächtiges Weibchen – mit etwas Glück sollten also auch Nachzuchten dieser noch unbestimmten Art möglich sein. Es handelt sich mit größter Wahrscheinlichkeit um spezialisierte Vermehrung, Direktvermehrer, bei denen direkt kleine Jungkrabben schlüpfen und nicht planktonische, marine Larven.
Geheimnisvolle Baumkrabbe
Eine neue Sesarmidae beschreiben Peter K. L. Ng aus Singapur und Peter J. F. Davie aus Australien: Labuanium vitatum wird als baumbewohnende Mangrovenkrabbe aus der L. rotundatum-Artengruppe aus dem Indischen Ozean beschrieben. Der lateinische Name bedeutet “frustrierend zu finden” und spielt auf die versteckte Lebensweise dieser Art an. Sie wurde erstmals 1978 von George auf der Weihnachtsinsel gefunden und damals zunächst als Sesarma oceanica (De Man, 1889) identifiziert. Die Tiere werden meist unten an Baumstämmen in relativer Nähe zum Meer gefunden, ein Exemplar allerdings in 60 Meter Höhe auf einer bewachsenen Kalkstein-Plattform.
Tragende Weibchen wurden mit 25,5 mm Breite gefunden, Männchen mit bis zu 38 mm Carapaxbreite. Sie kommen der Weihnachtsinsel (Australien) vor, den Nikobaren (Indien), Nias und West-Java (Indonesien). Diese Spezies ist wie L. rotundatum von Guam und L. scandens von Taiwan hauptsächlich bei nassem Wetter und nachts aktiv. Sie entlassen ihre Larven ins Meer zum Vollmond zwischen November und April.
Asiatischer Invasor
Stark verbreitet hat sich seit ihrer Entdeckung die Asiatische Strandkrabbe Hemigrapsus sanguineus an der französischen Küste. In einer Studie beschreiben Jean-Claude Dauvin und Fabien Dufosse, wie die unabsichtliche Einführung der Art Mitte der 90er Jahre die problematischen Effekte enthüllt, welche invasive Arten für die Biodiversität haben können. Die Invasion der Ökosysteme an der Küste Nordfrankreichs sei ein unumkehrbares Phänomen. Sammlungen zeigen, dass sich H. sanguineus seit seiner ersten Entdeckung 1999 kräftig vermehrt und ausgebreitet hat, 2010 wurden die stärksten Vorkommen im Hafen von Dunkirk (Dünnkirchen) mit 51 Tieren pro Quadratmeter und sogar 69 Individuen bei La Hougue gezählt! “Ihr hohes Kolonisierungspotential zeigt, dass diese Brachyure ihre Invasion europäischer Gewässer fortsetzen könnte”, meinen die beiden Forscher aus der Normandie und schlagen vor, ein europäisches Überwachungsnetzwerk einzurichten, dass den Fortschritt von H. sanguineus im nordöstlichen Atlantik beobachtet.

















