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Bekannte Krankheiten und Parasiten
#1
Generell sind fast nur Krankheiten bei marinen Arten weiter erforscht, da zahlreiche Arten aus dem Meer als Speisekrabben dienen und somit ein größeres kommerzielles Interesse dahinter steht als bei Süßwasserkrabben. Dieser Bereich wird nach und nach weiter ausgearbeitet.

Brandfleckenkrankheit
Runde, rot-braune bis schwarze Flecken auf dem Panzer mit kraterähnlichen, oft weißen oder schwarzen Durchbrüchen in der Mitte, hervorgerufen durch verschiedene niedere Pilze. Nach dem Entdecker auch Happiche Fleckenkrankheit (engl.: "Burn Spot Disease" oder "Brown Spot Disease") genannt. Für jede Krebsart gibt es spezifische Erreger, die aber die gleiche Erkrankung auslösen, bei der Chinesischen Wollhandkrabbe Eriocheir sinensis etwa ist es Septocylindrium eriocheir, beim Edelkrebs Astacus astacus der Fadenpilz Ramularia astaci und beim amerikanischen Flusskrebs Oronectus limosus der Didymaria cambari. Einige Quellen nennen auch chitinoklastische Bakterien als Ursache.

Möglicherweise bilden Verletzungen im Panzer Eindringstellen für die Pilze. Eine Bekämpfung ist nicht bekannt, ein leichter Befall jedoch oft nicht weiter tragisch. Nur wenn die Tiere geschwächt oder stark gestresst sind, kann der Pilz als Sekundärinfektion sich ausbreiten und zum Tod führen.

Generell gelten Laub, Erlenzapfen und Seemandelblätter als hilfreich.



Rostfleckenkrankheit
Braun-orange Flecken auf dem Panzer, ebenfalls durch einen Pilz verursacht. Es soll sich hierbei eindeutig um eine andere, wenngleich ähnliche Erkrankung wie die Brandfleckenkrankheit handeln. Die Unterscheidung ist schwierig.



Shell disease/Burn Spot/Brown Spot disease
Bakterien der Gattungen Vibrio, Pseudomonas und Aeromonas verursachen bei fast allen marinen Dekapoden diese Krankheit mit nekrotischen Flecken, die aber ebenfalls nur bei Stress oder Umweltverschmutzung als Sekundärinfektion als gefährliche Krankheit ausbrechen. Infektionen geschehen auch über Verletzungen. Hochansteckend in Zuchtkulturen. Behandlung mit Malachitgrün (Hummer) oder Antibiotika-Bädern (Penicillin-Streptomycin, Furanace, Erythromycin, Oxolinic-Säure, Malachitgrün, Formalin) bei Garnelen.



Weißfleckenkrankheit (WSSV, White Spot Syndrome Virus)
WSSV wird durch einen DNA-Virus der Gattung Whispovirus verursacht, der in Zuchtfarmen wie in der Natur weitverbreitet ist. Krabben werden seltener befallen als Garnelen und können mit dem Virus befallen sein, ohne Krankheitszeichen zu zeigen. Die Krankheit kann tödlich enden und ist meldepflichtig (beim Office International des Epizooties (OIE) oder der World Organization for Animal Health).



Krebspest
Die Krebspest ist ein in Europa zum ersten Mal im 19. Jahrhundert aufgetauchte, gefährliche Infektionskrankheit europäischer Flusskrebsarten und wird durch den Fadenpilz Aphanomyces astaci verursacht. Seit dem 20. Jahrhundert wurde er auch durch Einsetzen amerikanischer Flusskrebse in europäische Gewässer weiter verbreitet und hat die einheimischen Krebsarten nahezu ausgerottet, da die hochinfektiöse Krankheit unter diesen Spezies Massensterben auslöst.
Amerikanische Krebse sind teilresistent: Sie sind Überträger, aber ihr Immunsystem hält den Erreger in Schach, solange keine weiteren Erkrankungen, erhöhter Stress oder Vergiftungen hinzukommen. Symptome sind Tagaktivität, Ausbleiben des Fluchtreflexes, weiße Verfärbungen in den Muskeln, Lähmungen, Kratzen, Trägheit und schließlich Verlust von Gliedmaßen.

Unseres Wissens nach können Krabben nicht befallen werden oder sind immun gegen die Krebspest.



Porzellankrankheit
Wenn das Fleisch durch den Panzer porzellanartig weiß durch den Panzer schimmert, ist das Tier wohl an der Porzellankrankheit befallen. Verursacht wird sie durch den Einzeller (Mikrosporid) Thelohania contejeani, der gezielt die Muskulatur des Krebses befällt.

Vermehrt der Parasit sich, werden die Tiere steifer und zeigen Farbverluste sowie zunächst an der Unterseite milchig weiß. Schließlich können sich die Kruster nicht mehr bewegen und sterben.

Befallene Tiere sollten separiert werden, da der Erreger unter anderem durch Kannibalismus übertragen wird. Es gibt Berichte, nach denen Malachitgrünoxalat gegen die Porzellankrankheit helfen soll.



Baumwollkrankheit
Die "Cotton" oder "Cooked Crab Disease" ist der Porzellankrankheit ähnlich und wird ebenfalls durch Mikrosporidien hervorgerufen, in diesem Fall Ameson michaelis, der in die Zellen eindringt und sie zerstört. Befallenes Gewebe erscheint weißlich, auch dieser Parasit kann durch Kannibalismus übertragen werden.

Anderen Berichten zufolge treten weißliche Knoten und Beulen oder ovale bis stäbchenförmige Zysten im äußeren Carapax auf, verursacht durch Sporozoen. Keine Behandlung bekannt, befallene oder tote Tiere unbedingt separieren/entfernen.



Milchkrankheit
Die Milchkrankheit bei marinen Krabben ist der Porzellankrankheit ähnlich und wird ebenfalls durch Mikrosporidien hervorgerufen, bisher keine erfolgreiche Behandlung bekannt. Die Krankheit zerstört Blutzellen und Proteine und sorgt so für eine milchige Hämolymphe, nachdem der Erreger sich in den Phagocyten des Hepatopankreas vermehrt und auch die Hämolymphe befallen hat. Es handelt sich um bisher unbeschriebene Alpha-Probakterien mit leichten Ähnlichkeiten zu anderen Rickettsia.



Bitterkrabbenkrankheit
Die "Bitter Crab Disease" wird von dem Dinoflagellaten (einzellige, mikroskopische Algen) Hematodinium perezi hervorgerufen. Der Parasit konsumiert Sauerstoff aus der Hämolymphe und Gewebe der Krabbe und sorgt so dafür, dass sie schwach und lethargisch wird und möglicherweise stirbt. Berichte kommen vor allem aus relativ warmen, stark salzhaltigen Wassern in Maryland, Virginia, Georgia und Florida (USA).

Einmal infiziert wächst der Parasit schnell bis zu 100 Millionen pro Milliliter Blutflüssigkeit binnen sechs Wochen. Das Krabbenblut wird milchig-weiß und verliert seine Gerinnungsfähigkeit. Im frühen Stadium kann die Erkrankung nur mit dem Mikroskop entdeckt werden. Im späten Stadium kann sich der Panzer rosa färben, als sei die Krabbe teilweise gekocht worden.

Ihren Namen hat die Krankheit, weil das Fleisch der Speisekrabben einen bitteren, aspirin-ähmlichen Geschmack bekommt.



Paramoebiasis/"Grey crab diseaese"
Paramoeba perniciosa befällt Callinectes, Cancer, Carcinus und Homarus an der Ostküste der Vereinigten Staaten. Graue Verfürbung des bauchseitigen Panzers, Trägheit, keine Gerinnungsfähigkeit der Hämolymphe mehr und kaum Überleben, wenn die parasitären Amöben einzelnes Gewebe befallen und die Infektion systemisch wird. Keine Behandlung bekannt.



Schimmelpilz
Infektionen durch äußere Mykosen (Pilzbefall) sind mit den Augen zu erkennen, wenngleich nicht immer einfach. Es handelt sich um weiße Beläge, ähnlich wie Wattebäusche, oder auch grünliche Fäden, die außerhalb des Wassers in sich zusammenfallen. Hierbei handelt es sich meist um die Wasserschimmelpilze Saprolegnica oder Achyla, die als Sekundärinfektionen auftreten und sich auch ins Innere des tiers ausbreiten (inner Mykose).

Es gibt verschiedene Berichte von erfolgreichen Behandlungen mit Cilex sowie Fungol als auch mit Costapur, einem Malachitgrünpräparat.



Glockentierchen
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Mit Glockentierchen übersäte Leopardkrabbe.

Oft an eine Art Schimmelpilz erinnert eine Besiedlung von Pflanzen, aber auch Krebstierpanzern mit Glockentierchen. Das sind harmlose Einzeller, die im Normalfall beim nächsten Wasserwechsel von alleine verschwinden.

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Glockentierchen auf einer Pflanze unter dem Mikroskop.

Bakterien
Wie Pilzsporen findet man auch nützliche oder harmlose (aphatogene) und schädliche (pathogene) Bakterienarten allüberall. Im Normalfall hält das Immunsystem sie in Schach und bakterielle Erkrankungen treten nur als Sekundärinfektionen auf, wenn also die Immunabwehr aus anderen Gründen geschwächt ist und die pathogenen Bakterien sich exploionsartig vermehren können.

Bakterien können äußere und innere Infektionen auslösen sowie Organe befallen. Bei letzterem ist keine Behandlung möglich (und bei Krabben mit ihrem undurchsichtigen Carapax auch nicht zu erkennen), erstere beide lassen sich laut Garnelenkranheiten.de mit Cloraphenicol, unter Umständen auch mit Furanol behandeln, siehe:
http://garnelenkrankheiten.de/aeusereinfektionen.html
http://garnelenkrankheiten.de/innereinfektionen.html



Gaffkemia/Rotschwanz-Krankheit
Aerococcus viridians var. homari ist das am besten erforschte Bakterium bei Wirbellosen. Stark befallene Hummer zeigen rosa Blut und daher einen roten Schwanz, fressen nach zwei Tagen nichts mehr. Die Bakterien vermehren sich in der Hämolymphe, nur fünf reichen aus, um eine Krankheit in einem Hummer auszulösen. Auch verschiedene Krabben können befallen werden (Cancer, Libinia, Steinkrabben). Behandlung mit Antibiotika.



Parasiten: Würmer und Egel
Verschiedenste Saugwürmer (Trematoden) und Hakenwürmer (Nematoden) sowie Egel können Krebstiere befallen. Mit der Häutung werden sie abgestreift – Exuvie schnell mitsamt den Würmern entfernen, bevor sie die gehäutete Krabbe befallen können. Letzteres gilt vor allem für Egel.

Eine Möglichkeit der Bekämpfung der Egel ist laut Landesfischereiverband Bayern und Bayerischem Landesamt für Wasserwirtschaft, die Krabbe bis zu höchstens eine Minute in eine Kalklösung (200 gr. Branntkalk auf 10 L Wasser) zu setzen. Dabei sollen die Egel absterben, allerdings nicht ihre Eier. Nach dem Bad sollten die Tiere gut in sauberem Wasser gespült werden, um ihre Kiemen von Kalkresten zu reinigen.

Trematoden und Nematoden sollen mit Flubenol und Gyrodactol zu bekämpfen sein – da die Würmer aber auch unter dem Panzer sitzen, sind mehrmalige Behandlungen nötig.

Pulsierender Sacculina-Parasit an einer marinen Xantho pilipes: http://www.youtube.com/watch?v=LFaqeTauVhA


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Eine gute Übersicht über Behandlungsmöglichkiten und -erfolge (sowie Dosierungen) gibt es von Michael Wolfinger auf: http://garnelenkrankheiten.de/diagnosetabelle.html – auch wenn die Seite sich Garnelenkrankheiten.de nennt, gilt vieles für alle Dekapoden (Zehnfußkrebse) und ist dementsprechend auf Krabben und Krebse übertragbar.


[Bild: 0f27576c38db48dba8ce1308de5c4f74]
Maat et joot, 'ne schöne Jrooß un bess demnähx, Ollie (vorher BEASTIE bzw. BEASTIEPENDENT)

[Bild: pw-mangroven7_312px.jpg] 
Krabben und andere Crustaceen (Krebstiere),
Muscheln, Schnecken und Zwergkrallenfrösche, Minidrachen (Zwergbartagamen + Hausgeckos) und Schlangen in rund 30 Becken
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