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"Vampirkrabbe" und andere Geosesarma beschrieben
#1
Die "Vampirkrabbe" und andere Geosesarma-Arten beschrieben

   
Geosesarma hagen (links) und die drei Varietäten von G. dennerle. Fotos: Oliver Mengedoht

Lange blieb die "Vampirkrabbe" unbestimmt, mit ihr auch einige andere Arten aus der  Gattung Geosesarma, die nach und nach importiert wurden. Nun können wir ein bisschen Aufklärung betreiben: Peter Ng, Christoph Schubart und Chris Lukhaup haben mit 'New species of "vampire crabs" (Geosesarma De Man, 1892) from Central Java, Indonesia, and the identity of Sesarma (Geosesarma) nodulifera De Man, 1892 (Crustacea, Brachyura, Thoracotremata, Sesarmidae)' im Raffles Bulletin of Zoology zwei neue Arten beschrieben.

   
Die nun als Geosesarma hagen beschriebene, rote Art.

Geosesarma dennerle heißt nun die zuletzt häufig als "Vampirkrabbe" importierte Art mit den gelben Augen, doch auch die "klassische Vampirkrabbe" mit den orangen Augen, die erstmals 2006 in Deutschland auftauchte, sowie die G. sp. "blue" getaufte mit den hellgrünen Augen sollen zu dieser Art gehören. Die "Rote Vampirkrabbe" wird jetzt als G. hagen bezeichnet.

Jedoch ist es uns wichtig darauf hinzuweisen, dass die Autoren aufgrund der Sammlungen dieser Arten für die Aquaristik/Terraristik eine Gefährdung sehen. Es handelt sich offenbar um recht kleine Populationen – und auch Habitate –, so dass die Sammler auf Java schon Rückgänge der Populationen beobachtet haben. Umso wichtiger, dass Nachzuchten den Wunsch nach diesen Tieren befriedigen können.

Die Beschreibung und Benennung dieser Arten ist natürlich erfreulich, denn so bekommen die häufig gehandelten, aber bislang wissenschaftlich namenlosen Krabben endlich "ordentliche" Namen und man kann sie besser ansprechen. Gleichwohl sind wir der Meinung, dass es sich bei G. sp. "vampir", G. bicolor (klar fehlbestimmt; jetzt eindeutig die neue G. dennerle) und G. sp. "blue" um drei verschiedene Arten handelt, die Unterschiede sind zu groß. Es mag sich aber sicher um direkt benachbarte Spezies handeln, wie bei G. dennerle und G. hagen auch, die in benachbarten Tälern auf Java leben.

   
Die ursprüngliche, 2006 eingeführte Vampirkrabbe.

Wir werden daher die zwei Arten, die unserer Meinung nach nicht G. dennerle sind, zunächst als Varietäten bezeichnen:
G. dennerle: Die ursprünglich als G. bicolor falsch bezeichnete Spezies mit klar zweigeteilter, hälftiger Rückenzeichnung und gelben Augen – Dennerles Vampirkrabbe.
G. dennerle var. "vampir": Die ursprüngliche Vampirkrabbe mit großem gelblichem Fleck auf dem Rückenschild (sehr variabel) und orangen Augen (in Einzelfällen bis hin zu weinrot) – Vampirkrabbe.
G. dennerle var. "blue": Die bisher unbestimmte Art mit zweigeteiltem, braun-blauem Carapax und hellgrünen Augen – Blaue Vampirkrabbe.

   
G. dennerle: Die ursprünglich als G. bicolor falsch bestimmte Spezies mit klar zweigeteilter, hälftiger Rückenzeichnung und gelben Augen – Dennerles Vampirkrabbe.

   
G. dennerle var. "vampir": Die ursprüngliche Vampirkrabbe mit großem gelblichem Fleck auf dem Rückenschild (sehr variabel) und orangen Augen (in Einzelfällen bis hin zu weinrot) – Vampirkrabbe.

   
G. dennerle var. "blue": Die bisher unbestimmte Art mit zweigeteiltem, braun-blauem Carapax und hellgrünen Augen – Blaue Vampirkrabbe.
Maat et joot, 'ne schöne Jrooß un bess demnähx, Ollie (vorher BEASTIE bzw. BEASTIEPENDENT)

[Bild: 300pw-mangroven7.jpg] Krabben und andere Crustaceen (Krebstiere),
Muscheln, Schnecken und Zwergkrallenfrösche, Minidrachen (Zwergbartagamen + Hausgeckos) und Schlangen in rund 30 Becken
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#2
Die Bildung eines ordentlichen Genitivs bei der Namensgebung anstelle der Apposition fände ich persönlich zwar besser, dennoch ist es aber auch sehr begrüßenswert, dass die Arten endlich einen offiziellen Namen erhalten haben.


Grüße

Erik
http://coenobita.de.to:Interessantes und Wissenswertes über Landeinsiedlerkrebse.
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#3
mensch - hier passieren ja Sachen - da ist man ein Jahr lang nicht mehr aktiv - zack - haben die alle neue Namen - muss ich mich auch erst mal dran gewöhnen Icon_mrgreen
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#4
Hallo Experten:

Wenn Geosesarma 'Blue', 'Vampir' und die früher 'Bicolor' genannte Vampirkrabbe nun eine Art sein soll, dann frage ich mich, warum bisher das einhellige Credo in Literatur, diversen Haltungsempfehlungen und diesem Forum war, dass man diese als verschiedene Arten nicht zusammen halten solle - und nur Mitglieder einer Art vergesellschaften soll. Wenn sie sich aber im Terrarium wie Mitglieder verschiedener Arten verhalten, d.h. 'Vampir' die 'Bicolor' ("dennerle", Typusexemplar) und die 'Blue' ausrottet über kurz oder lang, spricht das dann nicht gegen den Artstatus?

Wenn sich die 'Blue', 'Vampir' und früheren 'Bicolor' nicht fruchtbar mischen (hat jemand schon je ein Kreuzungsexemplar gesehen), dann ist das mit dem Artstatus ebenfalls sehr fraglich, jedenfalls wenn man die von den meisten akzeptierte Artdefinition zugrunde legt.

Und wenn G. dennerle (inklusive 'Blue' und 'Vampir') als Art beschrieben ist, wo sind dann die Vorkommen von 'Blue' und 'Vampir'? Als Sulawesi wurde auch schon die Herkunft von 'Red' (G. hagen) angegeben früher, was ja mit der Publikation mit Angabe Java hinfällig ist - falls von dort nicht auch dokumentierte Nachweise kommen. In den Filmbeiträgen von Java sehe ich "nur" G. hagen (= G. 'Red' / 'Red Vampir') und die früher 'Bicolor' genannte Spielart, genauso in den Internettexten mit Fotos, die diese Artvorschläge vorstellen.

Wie erklärt man sich die zuvor als "artspezifisch" unterschiedlich publizierte Carapaxbreite von 'Vampir' und der früheren 'Bicolor' und 'Blue'?

Sind DNA-Vergleiche vorgenommen worden?

Wenn G. dennerle als bedroht publiziert wird, dann müsste man doch auch - falls man 'Blue' und 'Vampir' mit einbezieht in den Artstatus - die Vorkommen von 'Blue' und 'Vampir'/'Lila' kennen, untersuchen und darüber einigermaßen einen Überblick haben, sonst kann man so eine Aussage wohl schlecht treffen - außer über eine endemische Spielart. Ist aber die frühere 'Bicolor' (G. dennerle, Typusform) tatsächlich nur auf ein Tal begrenzt?

War vielleicht ein bisschen voreilig, der Vorschlag mit der Art G. dennerle (eingeschlossen 'Blue' und 'Vampir'/'Lila'). Icon_rolleyes

Gruß

Crabb
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#5
Ich bin zwar keine Biologin, aber wenn ich das hier so lese, scheint es mir doch eine Bestätigung, dass wir in Sachen Krabbenforschung noch in den Kinderschuhen stecken.

Wie oben schon steht: Wären die drei eine Art, wie mit dem gemeinsamen Namen "Dennerle" vorgegaukelt wird, könnte man sie auch zusammen halten und sie würden sich mischen. Da beides nicht der Fall ist, sieht mir diese neue Namensgebung doch sehr nach Schreibtischtätertum aus.   Icon_rolleyes
Liebe Grüsse
Krabbelinchen71  Smilie_krabbe
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#6
Nicht nur bei Krabben. Auch bei anderen Tier-Arten steckt man noch in den Kinderschuhen.
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#7
Aber es stimmt natürlich. Die Forschung ist in vielen Bereichen sicher den Kinderschuhen entwachsen, aber was die Biologie und Haltung dieser Tiere angeht, ist vieles Ausprobieren, Beobachten… Man müsste mehr in der Natur beobachten können – das können auch Wissenschaftler nur wenig, denn es ist natürlich unheimlich zeitintensiv.

Da ist auch jeder von uns, der in Urlaub in die Tropen fährt und wenigstens ein, zwei Tage mal solchen Tieren im Habitat widmen kann, eine große Hilfe…
Maat et joot, 'ne schöne Jrooß un bess demnähx, Ollie (vorher BEASTIE bzw. BEASTIEPENDENT)

[Bild: 300pw-mangroven7.jpg] Krabben und andere Crustaceen (Krebstiere),
Muscheln, Schnecken und Zwergkrallenfrösche, Minidrachen (Zwergbartagamen + Hausgeckos) und Schlangen in rund 30 Becken
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#8
Ja, es ist gut, dass/wenn wir uns bewusst sind, dass wir über diese Art und über Geosesarma und viele anderen Krabben noch gar nicht viel wissen...

"Was wir wissen, ist ein Tropfen, was wir nicht wissen, ein Ozean..."

Beobachtungen im Habitat wären eine große Hilfe (neben unseren Beobachtungen in "Gefangenschaft" oder nach Züchtungen), und - keine voreiligen Schlüsse ziehen, sondern erstmal Fakten sammeln, beobachten, Beobachtungen teilen, Erfahrungen austauschen. Meinen obigen Post hatte ich genauso gemeint, wie Krabbelinchen empfunden hat. :-) Ich will damit aber den Erstbeschreibern nicht auf die Füße treten, sie haben wichtige Grundlagen publiziert, nur bei der Einordnung als Art bin ich - grundsätzlich - nicht so enthusiastisch, aber die ist auch nicht das Wichtigste.

Auch Erstbeschreibungen oder Neukombinationen sollte man nicht unkritisch sehen (ich habe selber comb. nov. in anderer Sache publiziert...und dann einen so genannten Autorennamen (biologisch) ;-) - da gibt es oft auch kein richtig oder falsch, das sind oft nur unterschiedliche Sichtweisen auf verwandtschaftliche Zusammenhänge, die Faktengrundlage ist viel wichtiger (= die Kärrnerarbeit).

Herzliche Grüße

Crabb
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